Versuchsstelle Ost

Die Geschichte der Versuchsstelle Ost ist wenig dokumentiert. Im Gegensatz zur weit besser bekannten VersWest gibt es hier nur wenig, das in Erfahrung gebracht werden konnte. Auch die noch vorhandenen Überreste werfen – wie so oft – mehr Fragen auf, als sie beantworten.

Errichtet wurde sie wohl in den frühen 30ger Jahren des letzten Jahrhunderts, teilweise aber auch noch nach der Versuchsstelle West. In VersOst gibt es einen sehr alten gemauerten Prüfstand, der wohl der älteste Prüfstand im Gelände ist.

Genutzt wurde die VersOst für die Entwicklung von Treibstoffen für Öfen. Damit sind nicht Heizgeräte gemeint, sondern anfangs nannte man die Brennkammern der Raketentriebwerke schlicht „Ofen“ – ein alter Begriff für eine ganz neue Sache.

Möglicherweise wurde hier auch an dem geheimnisvollen, selbstentzündlichen N-Stoff geforscht, eventuell aber auch in einem Labor zwischen der Versuchsstelle Gottow und der Nebenbatterie West. Hierfür gibt es mehr Indizien als Dokumente.

 

Zwillingsprüfstand

Er besteht aus zwei gleichen, aber spiegelbildlich stehenden Prüfständen. Sie sind im hinteren Steuerungsbereich mit einem schmalen Tunnel verbunden. In der Mitte des Tunnels führt ein ebenfalls untertunnelter Abzweig nach hinten, zum Büro- und Labortrakt.

Bei einem der beiden Prüfstände sind noch die gegenüberliegenden Reste eines Kamerastandes erhalten, ursprünglich hatten beide Prüfstände einen eigenen Kamerastand.

Der Erhaltungszustand ist als gut zu werten. Die eigentlichen Prüfstellen sind gesprengt (lt. Zeitzeugen ziemlich sicher noch vor der russischen Besetzung), ansonsten sind nach 70 Jahren großflächige Salzauswaschungen am Beton zu sehen und einige Abplatzungen.

Die Tunnel sind noch in sehr guten Zustand; lediglich der Büro- und Laborbereich ist weitgehend zerstört. Im Prinzip sind die Wand- sowie die Bodenplatte erhalten, an einer Ecke auch noch einige Meter Deckenplatte. Der Rest ist gesprengt, auch hier ziemlich sicher in den letzten Stunden der deutschen Nutzung. Eine Zeitzeugin, die im Zwillingsprüfstand im Büro gearbeitet hat, erzählte, als man schon Geschützfeuer hören konnte, kam der Sprengmeister der Versuchsstelle und forderte sie sowie die anderen noch Anwesenden auf, die Versuchsstelle sofort zu verlassen, was diese auch taten.
Wenige Minuten später hörte sie dann aus dem Bereich der Versuchsstelle mehrere Detonationen.

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Kleiner Prüfstand

Direkt neben den beiden Prüfständen auf der Wiese ist ein kleines Waldgebiet, einige Gräben aus russischer Zeit zeugen von Übungen zur Körperertüchtigung, ansonsten lässt sich nichts spektakuläres finden. Fast nichts. Einige merkwürdige Betonrelikte zeigen auch hier Spuren deutscher Forschungsarbeit im Dienste des Krieges.

Ein Prüfstand mit dickem E-Verteiler, ein Beobachtungsstand, zwei massiv einbetonierte Stahlringe – seltsam. Insbesondere, wenn dann noch Flugzeugteile aus Aluminium gefunden werden, die eindeutig deutschen Ursprungs sind.

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