Flugplatz Sperenberg

Garnison Sperenberg

In der Zeit von 1958 bis 1960 baute die DDR für die GSSD als Ersatz für den bis dahin von den sowjetischen Streitkräften in der DDR genutzten Flugplatz Berlin – Schönefeld einen eigenen, in der Nähe von Wünsdorf (dem Hauptquartier der GSSD, ca. 140 000 Soldaten) gelegenen Militärflugplatz. Dazu bot sich das seit etwa 1880 bestehende Gelände der ehemaligen Eisenbahnpioniere in Sperenberg an.

Es erfolgte im ersten Bauabschnitt der Bau einer Start- und Landebahn von 2500 m Länge, sie wurde quer über die “Schießbahn Ost“ der Heeresversuchsstelle Kummersdorf errichtet. Des Weiteren baute man Abstellflächen für Flugzeuge und Hubschrauber nebst den wichtigsten Betriebsgebäuden. Die Unterbringung des notwendigen Personals erfolgte in den gut erhaltenen, teilweise noch aus der Kaiserzeit vorhanden Kasernen und auf den im südlichen Teil der Garnison neu errichteten Wohnhäusern.

Eine der ersten Einheiten, die auf den neu errichteten Flugplatz Sperenberg 1960 ihre neue Heimat fanden, war die 226.OSAP, ein selbstständiges gemischtes Fliegerregiment (отдельный cмешанная авиационный полк). Sie waren bis dahin in Schönefeld stationiert, mussten aber auf Grund der beabsichtigten ausschließlich zivilen Nutzung des Schönefelder Flughafens durch die DDR weichen.

Ihr Anfangsbestand belief sich auf einige Maschinen Li-2 (Konstrukteur Lissunow) und Il-14 (Illjuschin ). Die Li-2 war ein Lizenzbau der amerikanischen DC-3. Mitte der 60ger Jahre hatte die Einheit bereits einen Bestand von 12 Li-2, 10 Il-14, 12 An-12, 5 An-2 (beide aus dem Konstruktionsbüro Antonow ) sowie 20 Hubschrauber Mi-4. Im Jahr 1969 kamen dann An-24 und ab 1971 auch die An-26 zur Erweiterung mit hinzu.
Die ersten Jahre wurden die Maschinen auf der Freifläche vor der SLB abgestellt. Nach dem dritten Bauabschnitt Anfang der 70ger Jahre wurden die „kleineren Maschinen “ auf der nördlichen Rollbahn und die An-24/26 auf der mittleren Bahn vom Osten her beginnend, bis zu den Hubschrauberplätzen stationiert.
Im Jahr 1973 kamen noch einige Spezialmaschinen An-26, jede mit verschiedenen Ausrüstungen, hinzu (elektronische Aufklärung An-26 RTR Rote 11 und als fliegende Relaisstation An-26 RT Gelbe 6 / An-26 L).

Mitte der 70ger Jahre, nach Ende des dritten Bauabschnitts, erfolgte die Stationierung einer selbstständigen Aufklärerfliegerabteilung, der 39.ORAO (Отдельный Разведывательный Авиационный Отряд).

Als Basisflugzeuge waren An-12 Versionen (OKW Antonow ) sowie Il-20 ( Iljuschin ) stationiert. 1984 betrug der Bestand 5 An-12; 2 Il-20 und 6 Hubschrauber Mi-6.
Anfang der 90ger Jahre waren 2 Spezialaufklärer Il-20, eine fliegende Kontrollstation Il-22, sowie mehrere An-12 auf der nördlichen Rollbahn in der Nähe des Hangars aufgestellt.

Die beiden Il-20, weiterentwickelt aus der Il-18 (NATO Code COOT A) trugen die Nummern Rote 20 und Rote 21, sie hatten neben 6 Besatzungsmitgliedern noch bis zu 9 Arbeitsplätze an Bord. Die Rote 20 wurde im Mai 1994, die Rote 21 wurde am 21.06.1994 aus Sperenberg abgezogen. Die Rote 21 hatte unter anderem das Banner der Einheit sowie ca. 70 Kisten Waffen, Munition und wichtige Unterlagen an Bord.

Die Soldaten waren wie üblich im sogenannten „Soldatenstädtchen“ am Schumkasee untergebracht. Der Stab 2 der 39. ORAO befand sich im letzten Gebäude (Kalksandstein) Richtung Schumkasee, welches 1971 gebaut wurde..

Die Offiziere, mittlere Dienstgrade und die Zivilbeschäftigten wohnten in dem extra erweiterten Wohngelände in Richtung Hegesee. Man kann heute noch anhand der verschiedenen Baustile des DDR-Wohnungsbaus erkennen, welche Gebäude in den verschiedenen Ausbaustufen des Flugplatzes zusätzlich errichtet wurden.

Auf der südlichen Seite der Wohnbebauung befanden sich auch eine Konditorei/Bäckerei, ein großes Schulgebäude mit angeschlossener Sporthalle, Spielplatz, ein Magazin ( = Kaufhalle) für Waren des täglichen Bedarfs sowie Schreibutensilien. Eine großes Kulturhaus mit Theater- / Kinosaal ,Tanzschule, Diskothek und weiteren Räumen war im Zentrum der Wohnanlage ebenfalls vorhanden. Dort erhielten Schüler auch extra Unterricht, z.B. in Englisch.

Der Kommandoposten der Einheit auf dem Flugplatz befand sich neben der nördlichen Rollbahn, hinter der 5. Parkposition aus Zählrichtung Hangar im Wald und er umfasste ein Wach- und Sozialgebäude sowie eine Elektrostation.

Im Jahr 1981 wurde für den Kommandanten von Wünsdorf und andere VIP’s eine Tu-134 A-3 stationiert. Auch diese stand auf der nördlichen Rollbahn, in der 4.Parkposition vom Hangar aus gezählt. Es gab eine tägliche Flugverbindung nach Moskau.

Ab 1990 wurden die ersten Maschinen in die Sowjetunion zurückgeführt, am Abend des 06.09.1994 die letzte Maschine der OSAP, eine An-12 mit der Bordnummer 96 (die Rote 96).

Natürlich gab es auch Gastflugzeuge; so im Rahmen von Manövern, Kunstflugstaffeln wie die „Russischen Schwalben“ oder die „Russischen Ritter“, aber auch die Tu-154, Il-76 oder die An-124 „Ruslan“. Letztere wurde besonders zur Rückführung der russischen Truppen von 1990 bis 1994 in die Heimat eingesetzt.

Zeitweise wurden auch Flugzeugoldtimer im Rahmen der Traditionspflege gesammelt; sie wurden später verschrottet oder anderweitig verwendet.

Die Einheiten waren in der Kasernenanlage im Eingangsbereich der Garnison untergebracht. Die Offiziere und höheren Dienstgrade im südlichen Teil, Richtung Hegesee. Diese Gebäude wurden teilweise erst ab 1958 errichtet. Der Stab und die Soldaten waren Richtung Schumkasee im „Soldatenstädchen“ stationiert.

Der Kommandoposten der Einheit auf dem Flugplatz befand sich zwischen der nördlichen und der mittleren Rollbahn, noch vor dem Tower im Wald verborgen. Er bestand aus mehreren Gebäuden, Heizhaus, PKW-Garagen und einem separaten Bereich für mehrere Wachhunde.

In einer zweiten Ausbaustufe wurde um 1965 durch sowjetisches Personal in Eigenregie ein unterirdischer Kommandostand gebaut.

Die dritte Ausbaustufe folgte von September 1972 bis zum 1. Mai 1975. Dabei wurden neben zwei Rollbahnen parallel zur SLB und vier Rollwegen quer dazu auch weitere Abstellplätze für Flugtechnik sowie ein Hangar für Reparaturen und Wartung gebaut. Auch im Wohngebiet erfolgte eine Erweiterung der Bebauung. Neben Schule, Bäckerei, Kulturhaus und KfZ-Park entstanden je nach Bedarf immer wieder zusätzliche Wohnbauten.

In der Mitte der 80ger Jahre wurde eine Hubschrauberstaffel, die 113. OVE in Sperenberg stationiert. Eine ihrer Aufgaben war unter anderem der Transport von Material und Ausrüstung; aber auch die Beförderung von Personen.

Zu diesem Zweck standen unterschiedliche Hubschraubertypen zur Verfügung.

So waren Anfang der 90ger Jahre unter anderem zwei Mi-6 Aja als Nachrichtenzentrale bzw. Datenübermittlung ausgeführt.

Weiterhin waren mehrere Mi-8T und Mi-8 S sowie die baugleiche Mi-9 im Einsatz. Die Mi-8T wurden 1992 gegen die verbesserten Mi-8 MTW ausgewechselt, sie dienten hauptsächlich dem Lastentransport. Die Mi-8 S, eine sogenannte Salon-Ausführung, wurde zur besonderem Personenbeförderung verwendet, sie hatte rechteckige Fenster und teilweise sogar eine Toilette an Bord (weißes Fenster). Die Mi-9 diente als Führungshubschrauber mit zusätzlicher Funkausrüstung.

Eine Besonderheit war eine von zwei in den GSSD eingesetzten Mi-24 RCH, die Rote 44. Sie diente zur atomaren, biologischen und chemischen Aufklärung. Dazu hatte sie an beiden Stummelflügeln je drei Greifer, die damit genommenen Bodenproben konnten im bordeigenem Labor ausgewertet werden. Berühmtheit erlangte dieser Hubschraubertyp nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl, wo mehrere Maschinen die radiologische Überwachung übernahmen.

Der Stab und die Mannschaften waren im „Soldatenstädtchen“ untergebracht, die höheren Dienstgrade wie üblich im „Offiziersstädtchen“.

Der Kommandoposten befand sich zwischen den beiden Rollbahnen, inmitten der Hubschrauber-Parkplätze. Er wurde erst 1984/85 erbaut.

Am Abend des 06.09.1994 verließ die letzte Maschine der 226.OSAP den Flugplatz, die allerletzte Maschine war am Morgen des 07.09.1994 eine An-22 der russischen Armee.

 

Hangar

Als höchstes und größtes Gebäude auf dem Flugplatz ist ohne Zweifel der Hangar zu erkennen. Er wurde in der Zeit von 1972 bis 1974 von der Firma „Spezialbau Potsdam“, eine speziell für Militärbauten zuständige Einrichtung, erbaut und mit dem dritten Bauabschnitt zum 01.05.1974 übergeben. Er diente vor allem der Wartung und der Reparatur von in Sperenberg stationierten Hubschraubern, aber auch Hubschraubern aus benachbarten Einheiten. Im Rahmen von Improvisationen ist sicher auch das eine oder andere „Kleinflugzeug“ mit dem Bug dort herein gefahren worden. Bis zum Bau des Hangars wurden Reparaturen generell auf dem Standplatz der Hubschrauber ausgeführt; ohne Überdachung und auch im Winter.

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Der gesamte Hangar ist ca. 45 m breit, 38 m tief und die größte Höhe beträgt 15,20 m. Die Tore des Hangars haben eine Breite von je 10 m und eine Höhe von fast 11 m. Bei vier Torsegmenten ergibt sich bei voll geöffneten Toren eine Einfahrbreite von 40 Metern. An der Decke wurde eine Kranbahn mit der Hubstärke von 2000 kp installiert, welche zum Tauschen bestimmter Ausrüstungsteile und zu Wartungsarbeiten genutzt werden konnte. Sie wurde vom Kombinat VEB Lagertechnik in Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz ) hergestellt und eingebaut. An den drei Seiten ohne Tore waren noch flache Anbauten ringsherum mit einer Höhe von 4,25 m und einer Tiefe von ca.7,90 m, welche verschiedene Lager- und Werkstatträume sowie einen Sanitärbereich enthielten.

Die Aufschrift am Giebel in russischer Sprache „Слава КПСС (Slava KPSS)“ bedeutet „Ruhm der KPdSU“ (Kommunistische Partei der Sowjetunion).

Hinter dem Hangar in westlicher Richtung befand sich ein Heizhaus, welches neben der Wärmeversorgung in der kalten Jahreszeit auch die Versorgung mit Warmwasser zu sichern hatte. Diese Aufgaben standen auch für die benachbarten Gebäude, wie z.B. dem Tower 2 und anliegenden Gebäuden oder den gegenüber liegenden KfZ- Bereichen an.