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Schmetterlinge

Details

Wir erhielten von dem Schmetterlingsforscher Frank Rämisch folgenden Beitrag über seltene Schmetterlinge auf dem Sperenberger Flugplatz. Dafür an dieser Stelle vielen Dank.

Der ehemalige Flugplatz Sperenberg aus der Sicht des Lepidopterologen

Vor 20 Jahren endete nach Abzug der letzten Truppenteile die über viele Jahre währende militärische Nutzung der Luckenwalder Heide mit dem Militärflughafen Sperenberg. Seitdem hat sich vor allem am Rande der Start- und Rollbahnen eine bemerkenswerte Vegatation herausgebildet. Sie ist kennzeichnend für extrem nährstoffarme Sandböden und bietet durch die mittlerweilen fortgeschrittene Sukzession von Calluna-Heiden über Vorwaldstadien bis hin zu naturnahen Birken- und Espenwäldchen einen Querschnitt aller möglichen Biotope an. Gleichzeitig verbreiteten sich verschiedene Lepidoptera=(Schmetterlings)-Arten auf diesen Flächen, die heute in gut gefestigten Populationen das Gelände besiedeln. Es gibt aber auch in der unmittelbaren Umgebung des Flugfeldes wertvolle Habitate für Schmetterlingsarten, die zu den Wald,- Feuchtwiesen- und Moorbewohnern zählen.

Stellvertretend für die noch bei Weitem nicht vollständig erfasste Schmetterlingsfauna sollen hier vier Arten näher vorgestellt werden, die zu den wertvolleren Faunenbestandteilen Brandenburgs zählen.

1. Seinen mitteleuropäischen Verbreitungsschwerpunkt hat der „Eisenfarbige Samtfalterˮ (Hipparchia statilinus) in unserem Land und der angrenzenden sächsischen Niederlausitz, wo er als Lebensraum offene Sandböden mit Silbergrasbewuchs und benachbarten Gehölzen besiedelt. Die Raupe lebt an Gräsern und der Falter ist ein typisches Spätsommertier, welches kaum vor August aus der Puppe schlüpft. Der Schmetterling fliegt meist nur kurze Strecken und ist auf dem nur mit einigen Flechten bewachsenen Sandboden, auf dem er vorzugsweise sitzt, mit seiner unauffälligen Färbung bestens getarnt. Südlich der Start- und Landebahnen haben sich für diese Art, die in der "Roten Liste" in der Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht) geführt wird, ideale Biotope entwickelt.

hipparchia

2. Im Gegensatz zum vorigen Falter bewohnt der „Moor-Bläulingˮ (Plebejus optilete) Hoch- und Niedermoore und er ist auf einem kleinen Biotop in der Nähe des Flugplatzes heimisch. Die Raupe dieses schönen Bläulings, der wie die vorige Art in der Brandenburger Roten Liste in der Kategorie 1 gelistet ist, lebt dort ausschließlich an der Gewöhnlichen Moosbeere (Oxycoccus palustris). Die wenigen Vorkommen in Brandenburg liegen weit auseinander und deshalb wäre der Verlust eines solchen Habitats nicht zu kompensieren. Mit ihm finden sich andere seltene Schmetterlingsarten auf diesem schwer zugänglichen Gelände wie etwa das Große Wiesenvögelchen (Coenonympha tullia), und die Noctuiden (Eulenfalter) Lithophane lamda und Deltote uncula.

3. Der letzte Falter, der hier vorgestellt werden soll, ist ein „Blutströpfchenˮ, also ein Vertreter der Schmetterlingsfamilie Zygaenidae. Es ist das Sumpfhornklee-Widderchen (Zygaena trifolii), welches auf feuchten Wiesen, z.B. in unmittelbarer Nähe der Hauptzufahrt, fliegt. Wie der Name schon sagt, lebt die Raupe dieses Schmetterlings auf Sumpfhornklee (Lotus pedunculatus) und nach der Verpuppung im Frühjahr kann man die Falter im Juni mit langsam schwirrendem Flug beim Blütenbesuch beobachten. Er wird in der „Roten Liste der Schmetterlinge des Landes Brandenburgˮ in der Kategorie 2 (stark gefährdet) geführt und braucht zum Überleben naturnahe Feuchtwiesen mit geringem Nährstoffeintrag und einem guten Blütenangebot. Insgesamt 14 Arten gibt es in unserem Bundesland in der Schmetterlingsfamilie der „Widderchenˮ, wie diese Falter wegen ihrer wie Hörner getragenen Fühler auch genannt werden; viele von ihnen sind wie das hier besprochene Tier sehr selten geworden.

4. Abschließend soll noch ein Falter vorgestellt werden, der von Laien nie für einen Schmetterling gehalten wird, vorausgesetzt, er bekommt diesen äußerst schnell fliegenden Gesellen überhaupt zu Gesicht. Es ist der deutschlandweit nur in Brandenburg regelmäßig vorkommende Spätsommer-Wolfsmilch-Glasflügler (Chamaesphecia leucopsiformis), ein in der Roten Liste in der Kategorie 1 geführter Vertreter der Familie Sesiidae (Glasflügler). Ganz speziell dieses Tier hat von der Entwicklung der letzten 20 Jahre profitiert, denn er braucht zu seinem Fortkommen offene Sandböden mit Bewuchs von Zypressenwolfsmilch (Euphorbia cyparissias). Das ist die Nahrungspflanze der Raupe, die ein knappes Jahr in der Wurzel der Pflanze lebt und diese damit regelmäßig zum Absterben bringt. Der giftige, weiße Saft, welchen die Pflanze absondert (die „Wolfsmilchˮ), kann der Raupe nichts anhaben. Der Glasflügler fliegt erst im August und September und ist dann mit dem zuerst besprochenen Hipparchia statilinus gewissermaßen ein „Traumpaarˮ des Sandtrockenrasens.

Unmittelbar neben der großen Start- und Landebahn hat sich ein Biotop entwickelt, der für unseren Glasflügler Lebensraum für viele Jahre bieten könnte, bis die Fläche durch natürliche Sukzession (Bewuchs und Beschattung) für Chamaesphecia leucopsiformis und einige Jahre später auch für Hipparchia statilinus verloren ginge. Für die beiden zuletzt genannten Schmetterlinge wäre es wichtig, artbezogene Pflegemaßnahmen zu ergreifen, um den vorhandenen Lebensraum zu erhalten. Ohne Frage brauen sich aber über dem Flugplatzgelände ganz andere Gefahren zusammen (BER, Photovoltaik, Windkraft), denen weit schwieriger zu begegnen sein wird als fortschreitender Bewaldung. Allerdings könnten sich unsere „Neusiedlerˮ als wichtige Helfer erweisen, wenn es um den Erhalt des Naturparadieses „Luckenwalder Heideˮ geht.

Text und Fotos von

Frank Rämisch, Mahlow